Pallavicinis Triumph und Tragödie am Grossglockner

1876 Errichtung des "Glocknerhauses"

1876 errichtete der Alpenverein in der Nähe der Pasterze das „Glocknerhaus“, das den Anstieg von Heiligenblut auf den Großglockner von 2.500 auf 1.700 Höhenmeter Gipfeletappe erleichterte und alsbald jährlich annähernd 3.000 Gäste zählte. Kurz nach der Einweihung dieses Stützpunktes nächtigte dort ein Mann, der mit einer Herausforderung des Schicksals außerordentliches Aufsehen erregte: Der 28-jährige Markgraf Alfred Pallavicini, angeblich „Wiens stärkster Mann“. Mit drei Bergführern wagte er den Anstieg auf den Großglockner von der Pasterze durch jene 600 m hohe und 52 Grad steile Eisrinne, die seither seinen Namen trägt. Mit Bravour statt ausreichender Sicherung – der Eishaken wurde erst 1924 erfunden – machte sich ein Führer an das Stufenschlagen im Eis. Nach einer Weile sollte die Führung wechseln.

Das misslang aber im steilen Eis und so hieb dieser Mann weiter Tritte aus dem Eis – 2.500 Stufen sieben Stunden lang fast bis zur Erschöpfung, aber bis zum Gipfelsieg. Diese Leistung ist daran zu ermessen, dass sich erst 23 Jahre später wieder jemand an diese Eisrinne wagte. Im Juni 1886 griff Pallavicini mit drei Begleitern die abschreckende Glocknerwand an.

Knapp unter dem Gipfel riss eine abbrechende Schneewechte diese Seilschaft aus der Wand. Nur Pallavicini überlebte den Absturz. Er irrte durch das Spaltengewirr talwärts. Eine Woche später fand man ihn am Rand einer Gletscherspalte kauernd – tot, ein Auge ausgeschlagen und die Nasenpartie völlig zerschmettert. Pallavicini ruht an der Kirchenmauer im Friedhof von Heiligenblut gegenüber jenem Buch aus Metall, auf dessen Seiten die Opfer des Großglockners verewigt sind.