Bau der Straße
Neben der Fuscher Lacke an der Großglockner Hochalpenstaße befindet sich im alten Wegmacherhaus die Dauerausstellung "Bau der Straße". Diese dokumentiert sehr anschaulich die harten Lebensumstände der Glocknerbaraber, mit deren Hilfe Salzburgs Landeshauptmann Franz Rehrl und der Kärntner Straßenbauer Franz Wallack die nach dem Schloss Schönbrunn meistbesuchte Touristenattraktion Österreichs schufen.Dem Andenken der "Glocknerbaraber", Wallacks und Rehrls
Dieses Museum erinnert an eine Großtat vor fast 70 Jahren, an den Bau der Großglockner Hochalpenstraße. Damals zählte man in Österreich 556.000 vorgemerkte Arbeitslose (= 26 Prozent) und mehr als 100.000 Ausgesteuerte, die nach 20 Wochen keine Arbeitslosenunterstützung mehr bekamen. Und da Frauen weniger als zehn Prozent der Erwerbstätigen ausmachten, schlug die Arbeitslosigkeit mit verheerender Wucht auf die Familien durch.
Ein Lichtblick in dieser düsteren Zeit war der Bau dieser Straße von 1930 bis 1935. Sie bot bis zu 4050 Arbeitsplätze, wovon 80 Prozent ausdrücklich für vorgemerkte Arbeitslose reserviert waren.
Der Straßenbau im Hochgebirge
Straßenbau im Hochgebirge war extrem arbeitsintensiv. Noch verdrängte keine Schubraupe die Schubkarre, kein Bagger die Schaufel und kein Traktor das Pferdefuhrwerk. Die Glocknerstraße war härteste, doch österreichweit beneidete Handarbeit. Denn die legendären Glocknerbaraber hatten überdurchschnittlich gut bezahlte Arbeitsplätze, Höhenzulagen, saubere, warme und trockene Unterkünfte, regelmäßig gutes Essen - und sie genossen eine revolutionäre soziale Neuerung: die erste Schlechtwetterregelung in Österreich. Danach zahlte der Unternehmer bei Schlechtwetter Unterkunft und Verpflegung.
Arbeiter aus ganz Österreich
Natürlich gaben zugewiesene arbeitslose Friseure aus Wien, Kellner aus Graz und Verkäufer aus Salzburg, die mit Halbschuhen und zarten Händen nach Krampen griffen, binnen Tagen auf. Doch sonst hielt die Ausfallquote in jener harten Zeit bei fünf Prozent. Ein Vergleich aus der Zeit des Wirtschaftswunders 30 Jahre später: Da kapitulierten auf den Höhenbaustellen der Kitzsteinhornbahn 86 Prozent der Eingestellten. Die Großglockner Hochalpenstraßen AG erwarb das Verdienst, diese sozialhistorisch einzigartige Ausstellung im alten Wegmacherhaus eingerichtet zu haben. Es ist dies die Stätte der Erinnerung an Schwielen, den Sonnenbrand, die Frostbeulen und den Kräfteverschleiß des anonymen Glocknerbarabers, dem wir diese großartige Straße verdanken. Wir - das ist die internationale Freizeitgesellschaft.
Zwei große Österreicher: Wallack & Rehrl
Diese Ausstellung erinnert aber auch an zwei große Österreicher von internationalem Format:
Der Straßenbauer Franz Wallack bereiste alle Alpenstraßen Europas und legte dann mit dem Selbstbewußtsein des Könners sein beispielloses Projekt vor;
Nur die Glocknerstraße führt über die Gletscher hinauf; und nur sie bietet das berauschende Szenarium einer sechs Kilometer langen Höhenfahrt vom Fuscher Törl zum Hochtor.
Wallacks Tatkraft hätte wenig gefruchtet ohne die Durchschlagskraft Franz Rehrls, des bedeutendsten Salzburger Landeshauptmanns. Er nutzte die drei Kraftquellen eines armen Alpenlandes - unerschöpfliche Wasserkraft, ein weltweit bewundertes Kulturerbe und die Attraktion einer grandiosen Natur. 1922 rettete Rehrl die Salzburger Festspiele vor dem Zusammenbruch; 1924 baute er in Fusch Salzburgs erstes Speicherkraftwerk - das Bärenwerk; 1929 brachte er das nachmalige Symbol der österreichischen Wiederaufbaues auf den Weg - das Großkraftwerk Kaprun; 1928 baute er auf die Schmittenhöhe Salzburgs erste und Österreichs dritte Seilbahn; 1929 schuf er als produktive Arbeitslosenfürsorge die Gaisbergstraße - in der deutschen Presse als erste Straße auf einen Ostalpengipfel gefeiert; und dann boxte er in Wien die Finanzierung der Glocknerstraße durch - als Beschäftigungsprogramm und als touristisch beispiellose Attraktion:
Ausstellung täglich geöffnet
Dem anonymen Glocknerbaraber, dem Straßenbauer Wallack und dem Politiker Rehrl stattet die Großglockner Hochalpenstaßen AG heute mit dieser Ausstellung unser aller Dank ab. Bislang mehr als 50 Millionen Besucher haben dieses großartige Werk bereits besichtigt.
Die Dauerausstellung "Bau der Straße" befindet sich bei der Fuscher Lacke (km 29,3) auf der Großglockner Hochalpenstaße und ist täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt für diese Ausstellung ist frei.
Kinderspielplatz "Bau der Straße"
Auf spielerische Weise können die Kinder hier selbst erleben, welch großartige Pionierleistung die sogenannten "Glockner-Baraber", so wurden die Straßenbauer damals genannt, beim Bau der Straße von 1930 - 1935 geleistet haben.

